MB Kern Landhausberatung
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Samstag, 31. März 2018

Wandlungen



Was in der Wand wirklich steckt und wie sie aufgebaut wurde, ist auf den ersten Blick oft nicht zu entschlüsseln. Wenn es alte Baupläne gibt, kann es ein Bild ergeben. Doch nicht selten ist der Bautrupp vom vorgezeichneten Weg abgekommen. Dann hilft nur ein Zugriff auf die Materie.
Dies ist vor dem Kauf sicher nicht gern gesehen, wie aber kann man sonst abschätzen, was das Thema ist?
Hier nun zeigte sich der zweischalige Aufbau abweichend vom Plan: Stärker dimensioniertes Fachwerk wurde innen mit einer halbsteinigen Lochziegelwand hinterlegt.
Der Putz hat das Holzwerk geschützt, aber die Schwelle wurde in Kiefer ausgeführt und diese hat dem Wassereintrag am Sockel nicht widerstehen können. Klar ist nun, das sichtbares Fachwerk nicht mehr angestrebt wird, da die verbauten Hölzer zur Abhärtung oberflächlich stark verkohlt wurden. Weitere Bauteilöffnungen müssen die Ablage der Lasten auf die Wand erklären.
Ein Sanierungsvorschlag bleibt schwierig.

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Samstag, 17. März 2018

Rückblick


Welchen Gestaltungsreichtum, welch Glanz mit einfachen Mitteln unsere Vorangegangenen an Ihren Gebäuden einbrachten, ist für uns schwerlich zu verstehen.
Zum Einen haben wir davon selten die originale Ansicht, können aus aufblitzenden Resten kaum die Wirkung enträtseln. Zudem gebricht es auch an der Schule des Sehens und Wissens, da es lange Abschnitte der Vernachlässigung und moderner Aufhübschungen gab. Diese legten sich auch auf unser Sensorium wie ein grauer Sockelanstrich, wie Raufaserbedeckung, wie Mehlstaub.
Welchen Wert das aufgefundene Überkommene für unser Haus hat, ist nur zu unterschätzen. Aber auch wenn wir den Wert erkennen, ist die Einbindung in die heutige Wunschumwelt schwer.
Schön, wenn man den Blick zurück durch ein archäologisches Fenster werfen kann. Noch besser, wenn die neuen Elemente in alter Manier und Wirkung erstellt werden können.
Aber die Erleuchtung (und Trauer um das Verlorene) strahlt auf, wenn Restauratoren das Gesamtbild samt Funktion erwecken.
Hier die profane Bierlasur auf der Vertäfelung im Bahnhof Grevesmühlen und ein Schmuckband, das fast zu modern daher kommt: aber durch das Original beglaubigt wird.
Lob dem Denkmalschutz und Lorbeer den Könnern, die Palme aber den Besitzern, welche als freie Geister dahin streben!

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Samstag, 24. Oktober 2015

Unter den Dielen liegt der Sand


Die Zustände in der Zwischenwelt der Balkenlage bliebe noch Jahrhunderte verborgen, jedoch die vielgeschliffenen Bodenbretter gaben auf und wichen. Siehe da: gar finster ging es wohl zu. Die Schwingungen der überlangen Deckenbalken schnippten die Einschubbretter aus den Nuten und die Schüttung verregnete auf die Zimmerdecke des Salons. Dessen filigraner Aufbau trotzte zwar dem Massezuwachs, einige Partien aber konnten die Leistennägel nicht mehr untadelig halten.
Eine Korrektur der schwächlichen Konstruktion ist ohne Verlust der darunter hängenden Decke kaum möglich, die Beilaschung mit starken Dielen mag den Balken versteifen, erhöht aber auch die Last. Aber damit kann der Boden exakt ausgeglichen werden.
Der Schlitz hat ausgedient. Nun wird eine Dachlatte an den Seiten befestigt, auf denen die Einlagebretter zum Liegen kommen. Dann folgt eine Rieselschutzpappe und die alte Schüttung kann wieder eingefüllt werden. Alles Geraune über die Giftigkeit und Radioaktivität der Schlacke gehört in die Abteilung Gefühle mit unsicherer Datenlage. Wichtig ist Masse zur Minderung des Schalls, aber wenn die Balken schon knirschen gilt es abzuwägen.
Das Einbringen von Wärmedämmung ist gut gemeint, aber unnütz. Denn alle Räume werden gleich geheizt und es gibt keinen zu bremsenden Wärmestrom, der Verlust des Einen ist die Fussbodenheizung des Anderen.

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Mittwoch, 2. September 2015

Rahmenhalter anno 1903



Im Fachwerk hat jede Tür einen von Balken gefügten Rahmen und konnte entweder direkt dort eingepflegt werden oder die guten Stubentüren wurden mit Futterbretter und Bekleidungen versehen, später wurde die Zarge zur Regel.
Auch im mehrstöckigen Ziegelbauten wurden lange die Zwischenwände in Fachwerkbauweise erstellt.
Bei Mauerwerkswänden behalf man sich mit dem Ersatz von Ziegeln durch ähnlich große, keilig geschnittene Holzklötze. Diese wurden an den Seiten dreifach als Haltepunkte mit vermauert und so konnte der Nagel die Türzarge an die gewünschte Stelle pressen.
Eine elegante und rationelle Weiterentwicklung gab es schon vor einhundert Jahren. Das starke Blechprofil mit eingepressten Hartholzstücken konnte nachträglich bedarfsgerecht platziert werden und brachte mehr Halt als die allein durch den Putz gehaltenen Anschlagstücke.
Die Nachnutzer der Altstrelitzer Irrenanstalt, die ruhmreiche Rote Armee, konnten die Vorteile dieser Konstruktion leider nicht erkennen. Sonst hätten sie diese bei der Änderung der Türlöcher wieder benutzen und sich an der Beständigkeit guter Ideen erfreuen können.

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Montag, 29. Juni 2015

Luftschutz als Bauherrenpflicht



Der damalige Begriff "Baupolizei" gibt ja eine Vorstellung von der Durchsetzungskraft amtlicher Vorschriften bis in die privaten Kellerräume hinein. Nicht wenige Hausbesitzer versuchten, den Anordnungen "irgendwie" zu entsprechen,  schliesslich ging alles zuerst auf deren Kosten. So findet man mit Holzbalken versteifte Kellerräumen, lax beschrifteten Holztüren und unterm Dach Holzkisten mit fragwürdigen Füllungen gegen Brandbomben.
Aber sobald man einen Umbau an seinem Haus genehmigen wollte, musste die Luftschutzfrage beantwortet sein, sonst wurde die gewünschte Kraftwagenhalle verweigert. Mit den ersten Bombenangriffen auf deutsche Städte 1942 wurde es ernst: Wie schütze ich mich vor den Geistern, die wir alle riefen?
Aus den Erfahrungen der ersten freigegrabenen Keller wurden immer neue Verbesserungen angeordnet. So musste ein Durchbruch durch die Brandmauer zum Nebengebäude hergestellt und mit einer halbsteinigen Wand wieder verschlossen werden, um im Notfall einen zweiten Fluchtweg aufzubrechen. Da hierbei oft zu fester Mörtel verwendet wurde, schafften die Eingeschlossenen dies nicht immer...
Auch bestimmte die Angst vor Giftgas die Ausstattung: gasfeste Türen, Schutzmasken, Gasschleusen.
Auch so eine deutsche Forschertat, die den Weg zurück ins Vaterland
finden konnte. Der noble Preisträger Dr. Haber verbrachte selbst seinen Urlaub an der Front, um seine wissenschaftlichen Feldversuche am uniformierten Volkskörper zu verfolgen...

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Sonntag, 7. Juni 2015

Luftschutz als Begrifflichkeit



Als Otto Lilienthal den Menschen zum Fliegen brachte war er sicher: Von jetzt ab könne es gar keinen Krieg mehr geben, da die Menschen die fremden anderen Planetenbewohner besuchen werden und deren Gleichartigkeit und festen Wunsch nach Frieden kennenlernten.
Da täuschte er sich arg in der Struktur der menschlichen Programmierung, die doch die Höhle und die Sippe als Bezugssystem ihrer Handlungen hat. Die stabile Fremdenangst war vielleicht erst der Auslöser für die Entwicklung von Altruismus und Solidarität- allerdings nur für die Blutsverwandten.
Jedenfalls flatterten keine bunten Freundschaftsbänder an den ersten Flugmaschinen und Zeppelinen. Es fielen Splitterbomben. Ein Maschinengewehr, welches durch den Propeller schiessen konnte, wurde gar als Beweis der eigenen Überlegenheit gefeiert in den europäischen Zivilnationen. Die Krone der Evolution einigte sich auf einige Begriffe, die jetzt das Letzte darstellten: "Pazifist" und "Vaterlandsverräter".
Die Bedeutung des Wortes "Luftschutz" ist unklar: geht es um den Schutz unseres Atemvorrats oder um die Abwehr von Gefahren aus der Atmosphäre?
Amtlich eingeführt wurde der Begriff im Deutschen Reich als Begriff für alle baulichen Vorkehrungen, die der Abwehr von Kriegseinwirkungen auf die Bewohner zum Ziele hatten. Dabei entstand ab 1933 ein eigenes Fachgebiet der Bauverwaltungen mit reichlich Vorschriften, Ausführungesbestimmungen, Zeitschriften und Forschungen...
In unguter deutscher Gründlichkeit wurde 1938 auch der Umbenennung von  "Schutzraum" in "Luftschutzraum" festgelegt und penibel festgelegt, wer zutrittsfähig und schutzwürdig sei.

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Montag, 25. Mai 2015

Das Fenster zum Hof



Manchmal will die Zahl der Gebäudeöffnungen, welche im Bauarchiv angesagt wird, mit den Vorgefundenen nicht übereinstimmen. Die auf Papier niedergezeichneten Pläne waren zu Ihrer Zeit ja nur die formulierte Absicht, ein Gebäude in dieser oder jener Ausformung zu errichten.
Klar ist auch damals einiges weggefallen oder in der Realisierung als unnötig empfunden worden und somit nie entstanden.
Oder es rollte eine Modewelle heran und verschluckte die vorhandenen Fenster, Türen und Gauben. Hier überdeckte die Holzverkleidungsmanie Decke und Wände samt Bemalung und Tapetenschichtungen und machte aus dem lichten Windfang eine dunkelbraune Kiste auf Tauchstation, das verbliebene Licht mit nikotingelben Gläsern abgedimmt.
Nach dem Rückbau aller Gardobenverwahrungen kam das Original aus der Gruft und kann zumindest als originale Vorlage der Neufenster dienen.


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Samstag, 16. Mai 2015

Der Stubenmaler



Wenn die vier bis acht Schichten Verschönerungsmoden von den Wänden gepusselt sind, zeigt sich manchmal die Ursprungsbeschichtung. Verblüffend dauerhaft und passend zum Stil des Hauses.
Was hat die Zwischenbewohner zu immer neuen Tapetenorgien getrieben? Die Mode war es und sie wird auch die nun gewählten Oberflächen nicht lange unversehrt lassen.
Grüssen nicht die Möbel streng zyklisch in altweiss, grau, dann schabloniert und endlich befreit abgebeizt? Sicher ist nur: Bald beginnt die neue Runde.
Hier bietet sich an, ein kleines historisches Fenster zu ermöglichen und durch die neue Oberfläche blinken zu lassen.

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Montag, 2. März 2015

Fachwerk Spurenlese

Die dunkle Seite der Fachwerkkonstruktion, die wir hier schon reichlich besprachen, kann der nostalgisch Erwärmte nicht erschauen. Schief ist da schnell englisch gleich modern und es sieht ja heimelig bis putzig aus!
Nutzungsänderungen können rasch eingefräst werden, Reparaturen sehr kleinteilig erfolgen und auch ungepflegt kann Fachwerk lange murrend dem Kundigen entgegen warten. Oft reichern sich über die Zeiten doch nur Unverstandenes und schlecht Gekonntes in der Hauswand an.
So kann der neue Hausherr weiter frickeln und manchen wird die Geldnot dazu zwingen. Aber ohne jedes Geldklingeln kann die Struktur geschaut und das Haus gedacht werden, wie es sinnvoll erneuert stünde.
Was steht da zu lesen? Am Material ist die Zeitleiste deutlich eingeschlagen, die überlagerten Schichten schimmern jeden nach kurzer Einfühlung an.
Kurzfassung: Die Fenster und Türen sind im Waage eingebaut und passen alle nicht hierher. Das Haus kippt stark aus dem Lot (Fundament!) . Die Schwelle ist mehrfach gestückelt und vom Betonpfad begraben. Die ursprüngliche Konstruktion besass zwei funktionale Schrägsteifen und die schmaleren Steher und Riegel sind zweitverwendet, wurden erst später eingefügt. Wahrscheinlich als die Fachfüllungen auf Ziegel umgestellt wurden. Die ehemalige Tür an der linken Ecke war völlig fehl und konnte der Kippbewegung nichts entgegen stellen. Eine Toröffnung bzw. ein Vorschauer ist zu vermuten. Die eingefügte Zwischendecke mit den Rundhölzern lagert auf den Fachfüllungen und wurde erst mit einer neuen Kochstelle eingesetzt.
Wenn hier Klarheit zu herrschen beginnt, kann der neue Nutzungswunsch bei jeder anfallenden Sanierung einbedacht und verfolgt werden.
Als Hausaufgabe eine weitere Wand von 1786, scharfes Auge (doppelklicken) und Erfolg!

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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Katzenfoto, unterirdisch



Das jemand etwas erzählen kann, wenn die Reise beendet ist, wird immer seltener. Das Bestätigungsgeplauder ob der angetroffenen Marken, Biertemperaturen und der lokalen Feinheiten am Schnellessertresen sind keine Merkwürdigkeiten.
Dabei liegt ein wirkliches Reich der Entdeckungen und Erkenntnisse ganz schön nah: Das eigene Haus. Die Heimatliebe kann nur mit Geschichtswissen der Gegend entstehen und dieses setzt sich aus den Erzählungen der Bewohner und jedes einzelnen Gebäudes zusammen.
Dahin gibt es keine Pauschalreisen oder anpreisende Kataloge. Manchmal nicht einmal mehr einen Zugang: verborgene Räume und Hohldecken sind beschwiegen und vergessen worden. Vielleicht auch verdrängt?
Wo die Töchter vor den Soldaten versteckt wurden. Wo die Waffen, der Familienschatz oder die Brenngeräte verborgen lagen. Wo Arno Schmidts Held im "Steinernen Herz" die vermuteten Staatsbücher findet. Ob deduktiv hergeleitet oder durch Zufall wieder aufgetaucht bieten solch lange unbetretenen Gebiete echte Aufdeckungen.
Hier wieder einmal ein Keller:
Früher ja nicht nur Lager, auch Arbeitsplatz und daher mit Ziegelboden und wieder nur vormoderner Stehhöhe versehen. Dahinter noch ein Raum, und aus beiden führten massive Treppen nach oben... Auch eine Art Fundament wurde vor 40-50 Jahren begonnen, für eine neue Schornsteingründung? Dazu das Sediment von Jahrzehnten, Kohlengrus und Hölzer, Flaschen.
Dann noch eine Prise E.A.Poe:
Ob das Kätzchen perfide am Ort des Schauderns eingemauert wurde ?
Oder nur einen Friedgruft suchte?
So stemmt sich mal ein Rätselfoto der Schwemme niedlicher Katzenbildchen im Netz entgegen: Welche Randbedingungen müssen für diese Konservierungsart herrschen?
Geht an die wenigen Glotzer, die naturwissenschaftlichen  Inhalten zuneigen.

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Sonntag, 12. Oktober 2014

Pionierbesiedlung


Boden wird hinlänglich definiert als "Oberfläche der Erde, welche geeignet ist, Pflanzen als Standort zu dienen". Somit beginnt der Rückfall menschlicher Bauten mit der  Besiedlung höherer Pflanzen, worum sich besonders Birke, Holunder und Pappel als Pionierpflanzen bemühen.
Welche Taktiken sie so erfolgreich wirken lassen, verbirgt das Innere des aufgelassenen Industriebaus. Es ist ganz sicher die Wandneigung, welche aus dem Fugenmörtel den Boden für die Baumsamen bereitet hat. Welcher Druck in den Pflanzenzellen wirkt! Die Sprengwirkung steht dem Frost nichts nach. Die in Fürsorge um den Zusammenhalt des Ringofens umschlungenen Drahtseile werden der Entropie nicht lange trotzen.
Moose und Flechten kommen mit wenigen Ansprüchen durchs Leben, die angewehten Mineralien und Stäube reichen für einen Webpelz, wenn denn der Untergrund nur Feuchtigkeit verspricht. Aber durch den Stoffwechsel entstehen Huminsäuren, die den Kalk aus den Ziegeln lösen, der dauerfeuchte Untergrund bietet bei Frost Verletzungsgefahr für die Tonziegel. Solch grüne Menetekel machen sich gut auf einem Kalenderblatt für Romantiker, am Haus weist Vegetation auf schwache Stellen hin.
Ganz eigentlich könnte durch ein Kataster der Siedlungsraten , geordnet nach Parametern, eine verlässliche Datierung der Verfallsdauer möglich werden. Ähnlich der Dendrochronologie ( also der Altersbestimmung von Hölzern durch die charakteristische Abfolge der Jahresringe) wäre damit ein Zeitstrahl über aufgelassene Bauten gelegt und die gelebte Archäologie träte selbstbewusster auf.

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Donnerstag, 29. August 2013

Heilsprüche und Bannzeichen

Es gibt schon verflixte Löcher in der angestrebten Realität, Dinge die nicht zu kontrollieren sind oder nur mit enormen Aufwand geheilt werden könnten. Uns bringt es regelmässig an den Rand der unschönen Ausbrüche, den früheren Bewohnern unserer Häuser schien dieser Zustand vertrauter. Das nur das Wenigste von Wollen und Herumrudern des Sterblichen zu erwarten ist, vieles aber den Mächten der allumgebenen Natur möglich.
Gerade beim Bauen hat sich die demütige Haltung in verschiedenen Riten, Opferungen oder Bannzauber  lange gehalten. Die Anleitungen für Schutzzauber, ob heidnisch oder vergottet, füllen ganze Folianten und die Sternen- & Pflanzenkunde hatte hier eine starken Nachfrage. Allein das Gefühl, das Richtige nicht unterlassen zu haben, konnte Beruhigung geben.
Denn wie oft trat Feuer, Krankheit oder Sturm aus der Anderwelt unvermittelt ins jetzige Leben.
Also vergrabene Tontöpfe im Keller, Münzen unter der Schwelle,  Kräuterhaken und Wolfsziegel - kann nichts schaden, sich der Gefühlswelt der Vorbewohner zu nähern.
Die waren dumm und falschgläubig?
Aus unserer Sicht vielleicht, aber könnten Sie unserem Treiben zuschauen... Ein Auslachen wäre noch milde.
Oh wir Vernünftigen!

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Montag, 5. November 2012

Flagge zeigen!


"Die Tür als Visitenkarte" preisen die Händler moderner Bauelemente und machen im wilden Materialgemisch und Gestaltungsvollrausch vor nichts halt. Gemeinsam ist all diesen Produkten: In wenigen Jahren wird man sich das rasch entsorgte handwerkliche Brett zurückwünschen. Denn jede Modewelle bringt das Verebben mit sich und markiert geschwinde das Unmoderne, nur Gewollte. Was zur Wiederholung zwingt, auch wenn das Türblatt noch Jahre schwingen könnte...
Expressiv und mutig ging es schon früher an der Tür zu. Allerdings in Unikaten und nur durch Meisters Hand und Wissen. Also Oberlicht, Sicht auf den Besuch und Ornament, alles wie immer und doch: ganz schön anders.
Dank der guten Ausführung wird es auch nach 200 Jahren Auf&Zu noch zu bestaunen sein, wenn die neuen Besitzer nur hübsch unmodisch bleiben können.

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Ein echter Stubenmaler

Wo die Klassiker der Tafelbildmalerei zu Preisen jenseits von Gut und Böse die Tresorplätze wechseln, ist es mit der Bebilderung der eigenen leeren Wände auch nicht einfacher geworden. Wenn bald auch Bücherwände und CD-Regale in die Festplatten wandern werden, wird es mit der Ausstellung der präferierten Bildungswelt richtig schwierig. Der eigene gute Geschmack kann dann wohl nur über die Kochbuchsammlung und den richtig gekauften Selbstbaumöbeln angezeigt werden, oder?
Sonst bleibt noch das Klingelschild als kreative Insel.
Oder aber man beachtet die überkommenen bildnerischen Werke, bevor die Sanierungswalze rollt. Im neuen Umfeld kann ein solch gerahmtes Relikt der Beachtung sicher sein. Die patinierten Schichten, diese sichere Linienführung und die dezente Farbwahl wird zum gelahrten Dispute zwingen.
Aus den Reaktionen extrahieren wir vielleicht die Einordnungsreflexe des Publikums und setzen dann geschickt eine verstörende Signierung hinein - samt schwer deutbarer Jahreszahl.

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Montag, 27. August 2012

Ein Vierseithof - wie stolz es klingt!

Die Nebengebäude werden bei einer Kaufbesichtigung gern als Bonus behandelt. Wir haben ja nun alles gesehen, wird gerufen, wollen Sie da nochmal hinein? Die Ställe, sie sind nunmal alt und unter die Schweinezüchter wird doch niemand geraten sein, oder?
Aber die Stallgebäude haben das Zeug zum Hauptkampfplatz und Kopfschmerzquelle. Fast immer sind sie durch intensive Viehhaltung abgerockt, dunkel, mit geringen Stehhöhen und vielen kleinen Unterteilungen. Dafür eine nützliche Verwendung zu finden ist schwierig.
Doch viele dieser Bauten haben zudem ernste Mängel, die nicht erst in Zukunft die Standsicherheit gefährden. Die ersten Risse gab es oft schon in den ersten Jahren, wenn das Gebäude sich setzte und die oft ungenügende Fundamentierung Ausgleich suchte. Dabei neigen sich die oberen Längswände häufig nach aussen, weil die Dachlast nicht mehr zuverlässig vom Dachstuhl aufgenommen wird. Vernachlässigung und Umbauten nach Gefühl (Garageneinbauten!) bringen den Kahn endgültig zum Schlingern.
Hier im Bild ist abzulesen, wie der Kampf gegen den Verschleiss schon Generationen währt. Der abgerissene Giebel gibt sich mit seinem Gewicht der  Erdanziehung hin, das nachträglich verstärkte Fundament kann da nichts richten. Die Eckverbindung ist Geschichte. Die angebrachten Queranker, gefertigt auch aus Pflugscharen, konnten die Bewegungen nur bremsen, nicht aufhalten.
Sicher hält das Gebäude aus Gewohnheit noch weitere Jahre, aber eine neue Nutzung ist ohne kompletten Neuaufbau unmöglich. So bleibt nur der geordnete Rückbau, aber  was wird aus unserer Hofsituation, wenn eine Seite fehlt? Wer hat Geld und Nerven, nach dem Kauf zuerst an einen Abriss zu denken?
Wunschdenken hilft hier sicher nicht, die realen Abbau-und Entsorgungskosten sind vom Kaufpreis abzuziehen.

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Donnerstag, 16. Februar 2012

Wir sagen: Sei einfach.


Bei der Übernahme eines alten Hauses ist es sicher von Vorteil, der ursprünglichen Gestalt nah zu sein. Also nicht erst Blendwerk und falsche Wände entfernt werden müssen, um prüfen zu können, wie die neue Nutzung in die alten Formen passen mag.
Deutlich treten alle späteren Applikationen hervor:
Die Wasserleitungen, welche den Gang zur Pumpe beendeten (und keck mit Zementmörtel in die Lehmwand gesteinigt wurden). Das elektrische Licht, welches auch ohne angestrebten Kommunismus die Lebenswelt umkrempelte und die Petroleumlampen zum Trödelstück erklärte. Auch hier wurde bei der Einarbeitung nicht der unmoderne Lehmdreck genommen und nicht selten eine moderne Krampfader an die Decke modelliert.
Die Stubenmalerei ist technisch noch vom Erstbezug und zeigt beharrlich Präsenz. Was ist die Welt schön und einfach ohne Raufaser und Dämmtapete und der Maler noch kein Acrylnahtzieher. Diese Einfachheit ist nach einem Menschenalter zu studieren, um Mut zu fassen, auch ohne bauchemische Helferlein seine Stube zu gestalten und nicht alle fünf Jahre von einer neuen Mode sich schütteln zu lassen.
Die entfernte Zwischenwand entpuppte sich nicht als erwartete Fachwerkwand, sondern wurde aus Biberschwanzziegeln (Abfall aus der Ziegelei? Selbst geborgen?) mit Lehm gesetzt: Das billigste Material gewann. Die Arbeitszeit war vor 140 Jahren auch in Deutschland nachrangig, denn mithelfen mussten alle, die noch Hände hatten und sie bewegen konnten.
Wie es sich englische Traditionsschneider in den Kragen nähten: "We say be simple".

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Donnerstag, 5. Januar 2012

Spurensicherung


Ob es sich bei der Steckdose in der Speisekammer um die originale Bakelitdose oder eine handgeschöpfte Nachbildung aus dem Manufactumreich handelt, ist nicht so leicht zu ersehen. Vielleicht kann der Klang bei der Schaltfunktion weiterhelfen. Oder das besuchende Kabel bringt die Zuordnung in das richtige elektrische Zeitalter?
Dabei ist dieses Bestimmungsgebiet so jung, was aber hilft bei anderen Funden in Haus, Garten oder Straße?
Alle Erdarbeiten in archäologisch interessanten Gebieten (Stadtzentren, Furten, alte Fundplätze) werden von Ärchäologen begleitet. Kein Stromtrasse, kein U-Bahnbau, keine Schmutzwasserleitung ohne einen Trupp gummibestiefelter Rumsteher. Die Lethargie des Krokodilsblickes wird manchmal krass durch Hektik gestört: In den Graben springen, mit Gartenhacken (ohne Stiel) einen Schnitt säubern, zeichnen, fotografieren, Funde aus älteren Schichten klauben, rein in die Fundtüte. Kennt man alles vom "Tatort".
Dann folgt die Stunde der Fundbestimmer: Keramikfunde als Leitfossilien, Glas, Leder, Knochen und selten genug ein echtes Artefakt. Durch Grabungen über Generationen können so die vergangenen Gesichter der Städte, Ihrer Bewohner nachmodelliert werden. Da sieht der Fernsehpathologe immer gleich alt aus.
Die Geschichte des Hauses zu erkunden, lohnt sich nicht nur in baulicher Hinsicht. Das Wissen um die sozialen Sedimente in unseren Behausungen gibt uns vielleicht ein starkes Gefühl: der Verbundenheit zur Heimat und bald danach: die Sorge um den Fortbestand.

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Freitag, 25. November 2011

Schöner schnauben



Der Erhaltungszustand ehemaliger Stallgebäude ist oft zweifelhaft bis ruinös. Zwar wurde bei Bau und Unterhaltung von Scheune und Pferdewohnung alles gegeben, da hier produziert wurde und somit das Wohl oder Wehe des Hofes entschieden. Eher litt das Wohnhaus, wie auch bei Gesundheitsfragen das Vieh Vorfahrt haben musste.
Aber jeder Bauer klebte an einer anderen Ackergegend und somit in verschiedenen Wirtschaftswelten. Dazu die Übernutzung der letzten 70 Jahre und der anschliessende Leerstand und nutzungslose Verschleiss.
Der oberste Punkt der Wohlfühlskala für Nutzviehunterbringung kann für Norddeutschland klar gezeigt werden: Ein Pferdestall von 1909, erbaut als Teil eines Mustergutes von einem in anderen Branchen reich gewordenen Unternehmers.
Selbst die durch die Zeit gegangenen Originalzustände im Bau sind glamourös: Sattelkammer mit Parkett und Täfelung gleicht einer Bibliothek, die Decke in Stahlbetonausführung und die Pferde puschten gegen feinstes Steinzeug, bevor sie sich am Wasserspeier die Lefzen netzten.
So homogen wie in der DDR-Propaganda war die "Klasse der Gutsbesitzer" nie, von der Edeladelschwemmschicht ging es hinab zum etwas grösseren Bauern, der unter dem Schuldenberg wackelte wie andere Dorfbewohner auch und oft mit nichts als seinem Adelstitel oder tadelloser Körperhaltung den Hof vor der Aufsiedelung verlassen musste.

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Sonntag, 30. Oktober 2011

Korrektor


Die Freunde der überkommenden Bausubstanzen fallen oft in Bewunderungsstarre und sehen dann milde darüber hinweg, das Bauen zu jeder Zeit nicht so harmonisch verlief, wie das Ergebnis sich oft darstellt. Immer mangelte es an Geld, die Umstände waren ständig unsicher. Doch war für Schönheit erstaunlich oft noch Platz neben dem Auftrag zur Funktionalität.
Auf den zweiten Blick entdeckt man manchmal die Fehler, die beim Menschen einfach dazu gehören.
Hier ist dem Schriftmaler doch glatt ein Buchstabe entschlüpft, er hat es ja gleich korrigiert und doch Spuren gelassen. Schön.

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Dienstag, 27. September 2011

Zeittunnel



Warum gerade die unverbastelten, original belassenen Häuser für die Rettung so dankbar sind, liegt auf der Hand: keine Verkleidungen der letzten Dekaden des deutschen Baumarktmodewesens müssen abgetragen werden, um dahinter grausige Entdeckungen zu machen. Keine Putz-und Riemcheneskapaden zwingen zum biographischen Rülpsern und die meisten Wunden liegen frei und können im Kern saniert werden und nicht wieder begradigend zugekleistert. Damit ist eine originale Halbruine oft wertvoller als ein modisch geschüttelter Hauspatient. Das Original selbst spricht zu uns oder gibt Hinweise auf das frühere Leben in ihm.
Selbst wenn nur Reste bleiben, zeigen diese am alten Platz viel Präsenz und helfen unserer Phantasie.
Hier ist z.B. die Verwandlung eines normalen Fensters in ein "Schau-hier-her"- Fenster im frühen Stadium noch vorhanden. Das Fenster der Werkstatt sollte nun auch dem Publikum auf dem Steig das Produkt herzeigen, teilweise gab es hölzerne Auslagen oder die Fensterläden waren im geöffneten Zustand mit den Angeboten beschrieben. Im gezeigten Fall wurde später ein metallener Roll-Laden als Schutz angebracht.
Aus vielen kleinen Details entsteht das Gesicht eines Hauses und das Bild der Stadt. Eines unverfälscht retten zu können, ist Glück und aller Ehren wert.

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