MB Kern Landhausberatung
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Samstag, 17. März 2012

Deckel drauf


Die heutigen Deckensysteme beruhen auf die Bindekraft des Zementes und die Biege- und Zugfestigkeit des Metalls.
In unserem Beispiel einer Hourdisdecke werden berechnete Stahlbetonträger verlegt, welche den gesamten Raum überspannen. Zwischen denen werden Deckenhohlkörper aus Luftkammersteinen trocken eingelegt, Stahlbewehrung draufgeflochten und am Rand eine zusätzliche Bewehrung als Ringanker ausgeführt. Betonestrich verteilen, aushärten, ausschalen und sich den Bodenbelag seiner Wahl montieren.
Wenn die schweren Massen nicht händisch zu verteilen wären, könnte man es eine leichte Arbeit nennen.

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Nutzungsenge


Die selten betretene unterste Spielebene eines Hauses bereitet meist Unbehagen, Enttäuschungen und obendrein Kosten. Gerade wenn es Kosten gab, möchte diese Einrichtung doch auch etwas für die Bewohner anbieten! Aber der Keller zickt, er nimmt und gibt nicht viel.
Er ist zu niedrig und daran ist schlecht drehen: Der Fussboden kann nicht einfach 30 cm nach unten verlegt werden, der Boden ist im System mit den Fundamenten nicht abzusenken.
Er muss frostfrei und leicht zu lüften sein, wenn die Wasseruhr oder ein Hauswasserwerk dort kreiselt.
Er ist feucht und dunkel, doch wir wollen keine Feldfrüchte mehr einmieten. Eine nachträgliche Isolierung ist unwirtschaftlich, zumal wenn regelmäßig Wasser in den Keller gedrückt wird.
Die Kellertreppen sind oft steil, abgetreten und mit Gepäck kaum zu entern.
So bleibt nur, Graf Orlock als untoten Schlafburschen anzusprechen oder eine Weinsammlung zu erben. Denn sich selbst eine vom Munde abzusparen ist echten Geniessern nicht zuzumuten.

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Samstag, 3. März 2012

Unter schwebenden Lasten...



Die Kappendecke hält sich durch das Gewicht in Spannung, Die Last muss aber im Fusspunkt sicher abgegeben werden können, die Träger dürfen also nicht ausweichen. Dies wird zuerst an den Randkappen mit der Zeit unsicher, wenn z.B. Fachwerkwände ausweichen, Holzbalken nachgeben oder Eisenträger nicht mit Querstäben gesichert sind. Sobald dieses System also unterbrochen ist, herrscht akute Einsturzgefahr. Erste abfallende Steine sind die letzte Warnung. Danach bricht das System zusammen und die tonnenschwere Decke unkontrolliert nach unten.
Damit dort niemand steht, sollten Fachleute die Abnahme der Lasten von dem Gewölbe begleiten. Dann braucht auch niemand den Helm zum Gebet abnehmen.

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Gedeckelte Unterwelt


Der Keller liegt gewöhnlich unter der Erde und ist feucht, denn die umgebenden feuchten Erdmassen geben ständig Wasser an die Wände, von wo aus diese in die Kellerluft abdunsten. Zumal oft auch der Brunnen im Keller lag oder in Flussauen jahreszeitlich Hochwasser hineingeflossen kam.
Die Vorstellung eines staubtrockenen Kellers ist neueren Datums und nachträglich nicht zu realisieren.
Das feuchte Kellerklima wurde zur Lagerung und Kühlung genutzt, manchmal auch für heute exotisch klingende Arbeiten wie Kohl putzen, Wolle entfetten oder Därme waschen. Wein, Bier und Feldfrüchte konnten im Dunkelkühlen bis in den Sommer gebracht werden.
Die Decken über dieser Klimazone wurden im Mittelalter als Gewölbedecke ausgeführt und wenn die Aussenwände wohlbegründet stehen, so wölben sie noch heute.
Solche Langlebigkeit erwarteten die Erbauer der Kappendecken sicher auch. Doch es klebte ein Lindenblatt am Schultergürtel: Das Trägermaterial. Ob Eisenträger oder der Vorläufer Kiefernbalken: Die Luftfeuchtigkeit setzt Ihnen zu. Bei den Stahlträgern sind es die Auflager in der Wand und der untere Gurt, der durch Korrosion in Blätterteig übergeht. Der Holzbalken bietet sich beginnend an der Unterseite und den Enden den holzzerstörenden Pilzen an, allen voran schreitet der Kellerschwamm. Zugemauerte Kellerfenster, vergessene Lüftungsregeln verschärfen die Situation.
Warnzeichen an der Kappendecke sind die Längsrisse im Scheitel der Randkappen, abplatzender Putz und der Totenkopf: denn beim unkoordinierten Ausbau herrscht Lebensgefahr.

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Sonntag, 26. Februar 2012

Trümmerkutte


Steine putzen gilt ganz sicher als nicht zumutbare Arbeit im deutschen Behördenschlüssel, aber wir sind ja hier auf dem dritten, dem Heimarbeitsmarkt. Ähneln die Ziegel denen auf dem Foto, so sollten wir kurz ihren Wert bedenken: Solche Qualität gibt es nur noch in der Eigenbergung und die gewonnene Patina ist das schützenswerte Extra obenauf. Daher sollten die Steine unter Schonung der Sichtseite mit einem Holzgriff gelockert werden und nach unten gereicht. Der bauzeitliche Mörtel lässt sich leicht entfernen, jede Reparaturstelle mit modernem Fertigmörtel ist sofort spürbar. Schnell lernt der Putzer: Die zementhaltig gebundenen Ziegel sind im Guten nicht zu reinigen, oft erliegen sie den letzten Schlägen. Aber auch alle halben und viertel Steine sollten geborgen werden: Sie werden gebraucht. Bei Fächern, die von Schrägsteifen durchzogen werden lohnt sich der langsame Gang: Den Fachinhalt vorsichtig auf den Boden so ablegen, wie er im Fach hockte. Dies spart Stunden beim Wiedereinbau.
Wer das Füllen der Wände nachher einem Handwerker überlassen will/muss, sollte sich ein Foto vom Ursprung machen und so das Arbeitsziel beschreiben samt Vorschrift zum Mörtel. Denn diese Arbeit ist nichts für jeden sich anbietenden Dorfmörtler. Allein das Gefühl für Fugenstärke, um mit einer ebenso grossen Schlussfuge anzukommen, ist schwer trainiert. (Wenn der Handwerker mit Wasserwaage und Lot antritt, ist er schon der Unkenntnis verdächtig.)
Spätestens, wenn die ersten Kostenvorschläge für diese Arbeit zu lesen sind, sollte ein Stuhl bereit stehen. Vielleicht kommt dann das Eigenwerk wieder in die Wahl.
Gelagert bis zur Wiedergeburt werden die Ziegel im Gebäude, etwas entfernt von der kommenden Baustelle. Denn zur Wandsanierung gehört zwingend der Schwellenwechsel, Abstützung und Einrüstung, also "Platz da!".

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Samstag, 25. Februar 2012

Unter Dach und Fach



Von der Materialwahl hervorragend: Die Eiche und der solide, nicht zu hart gebrannte Backstein sind ein perfektes Paar. Wenn sich die Wand nach 100 Jahren so präsentiert, können wir den Hut ziehen und müssen zugleich einen Helm aufsetzen. Denn in der Hülle eines solchen Gebäudes herrscht bei jedem Wetter Bewegung und bei Stürmen schwingt die ganze Hütte enorm. Grundsätzlich haben die Hölzer die Statik zu sichern, die Ausfachungen sollen keinen Druck aufnehmen.
Allerdings wurde oft versäumt, die Steinfüllungen am Herauswandern zu hindern. (Dies soll durch Dreikantleisten erfolgen, eingeschlagene Nägel in der Fuge haben sicher auch einen Effekt, gelten aber als unbeständig wegen des Metall-Holz-Problems.)
So ein gekipptes Fach ist ein echte Lebensgefahr und Aufforderung zum Eingreifen. Wenn dies wie im Detailbild geschieht,verlängert es nur den unhaltbaren Zustand: Die oberen Fugen wurden mit zementhaltigem Mörtel befestigt, die Schräglage nicht beseitigt. Da braucht`s kein Orakel: Regenwasser wird sich sammeln sich und nässt den Holzriegel.
Abhilfe heisst hier: Alle Ziegel ausbauen, sauber putzen, Dreikantleisten einbauen oder Fachwerkinnenseite schlitzen (damit sich der Mörtel verkrallen kann), mit Kalk-Sand-Hausmischung wieder einbauen.

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Scheunenschaden


Die Nebengebäude bilden beim Kauf eine eher ungeliebte Zugabe: groß, derzeit unnütz und mit Sanierungsdruck. Früher bildeten die landwirtschaftlichen Produktionsgebäude den Wert des Hofes, heute muss ihr Wert manchmal mit den Abrisskosten vom Kaufpreis abgezogen werden. Denn welche neue Nutzung finde ich für die voluminösen Lagerstätten, um der drohenden teuren Beräumung zu entgehen?
Scheunen sind die wahren Sorgenbringer.
Die Scheune im norddeutschen Raum ist gewöhnlich eine Fachwerkkonstruktion. Das Dach war als leichtes Weichdach ausgeführt (Schilf), ab 1900 wurde auf Druck der Feuerversicherungen ein Hartdach Pflicht. So kamen Blechplatten oder Schiefer zum Einsatz, aber auch Betonsteine und seltener Biberschwänze. Der Dachstuhl wurde für die neue große Dachlast nicht immer ertüchtigt. Selten gab es eine Dachrinne und wohl keine hat ungepflegt überlebt.
Die Spannweiten sind für moderne Landmaschinen ungenügend, Stützen stören und Tore sind zu klein.
Ursprünglich waren die Wände mit Flechtwerk oder Staken und Lehmbewurf ausgefüllt, dann kamen die Backsteine zum Zuge.
In den nächsten Beiträgen geht es um die Schadensbeurteilung und Behebung der klassischen Fehler an Fundament und Fachwerkaussenwand.

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