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Samstag, 2. Februar 2013

Rollender Laden

Fensterläden dienten lange zuvorderst dem Schutz der kostbaren Glasenster in der Nacht und bei Sturm, also vor Gewalten der Natur und durchwandernden Gesellschaften. In den heissen Tagen sorgten sie für gekühlte Mittagsschläfchen samt Sichtschutz für Nichtschnarcher.
Das tägliche Auf & Zuklappen aber wird bei Abwesenheit von Hausbediensteten schnell lästig und so hängen viele nur noch als Zitat der Bauzeit an den Fenstern herum. Seit der Gründerzeit wurden die Rollläden zum Standard mit dem Vorzug, den Aussenvorhang aus der Stube manipulieren zu können und sich nicht mehr so weit aus dem Fenster zu lehnen.
Aber auch gute Ideen veralten, sei es durch "Innovationen" oder neue Wohnforderungen. Die solide Holzpanzerung wurde durch die Plastelamellen verschlimmbessert: In der Sonne ausbleichend und versprödend , von Einbruchshemmung ist nur noch in Verkaufsprospekten die Rede.
"Aber der Schutz vor Kälte und Schall?" tönt es aus dem Verkäufer vor der Haustür. In dem abgebildeten Fall ist davon nichts zu erhoffen, im Gegenteil: den Abschluss zur Aussenwelt bildet nun der innere Holzdeckel ohne jede Dämmung, im Kasten heult der Wind und Fledermaus und Wespe arbeiten am Einzug. Die nachträgliche Dämmung ist technisch schwierig und bei weiterem Betrieb immer nur Kompromiss.
Vielleicht ist die Dauerlüftung der Wohnräume als schwacher Trost zu verbuchen.
Ein Ideal aus allen Ansprüchen? Gibt es tatsächlich: als Innenfensterladen, welcher in der schräge Wandlaibung geschmeidig verschwindet und dabei in spannenden Zeiten von innen einbruchsfest verriegelt werden kann. Als Besonderheit gibt das ausgeschnittende Zierornament eine vortreffliche Lochkamera ab, welche dem Bettlägrigem das Panorama der Aussenwelt wandfüllend abbildet. Auf dem Kopf zwar, aber das bekommt man mit der sich dehnenden Zeit auch noch hin.

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