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Montag, 14. Mai 2012

Ausputzer



Soeben gab es die "Stunde der Gartenvögel", der Zensus des NABU für unsere piependen Gäste. 
Aus Sichtungen während einer Stunde werden Trends in der Bestandsdichte der Vogelarten bestimmt.
Dabei fallen mir  Beobachter ein, die täglich und länger unsere Gartenvögel im Blick haben: die ach so lieben Katzen. 

Die KatzenliebhaberInnen ahnen ja auch: diese Schmusedinger sind  Raubtiere und putzen ohne Sorge um unsere Nützlichkeitserwägungen alles weg, was sich bewegt und zu überwältigen ist. Gut gefüttert hin, Glocke um den Hals her.
Das schlechte Gewissen drückt etwas, schliesslich postuliert es sich leicht: Auf alles könne man verzichten- aber nicht auf Literatur und Katzen. Aber doch wohl auch nicht auf Singvögel?
Zur Abrundung von sozialen Ecken und Kanten dient die Katze in 16,5 % aller deutschen Haushalte und hat die Hundemeute überholt. 2010 waren dies 8,2 Millionen Exemplare (ohne Grauziffer der unbekannten Nachtkatzen).
Nur für Verpflegung der Katzen geben wir lieben Tierfreunde gerne 1.435.000.000 Euro. Jährlich. (Darin sind die Kosten für Spiel, Pflege, Unterbringung, Tierarzt und die Spende für Tierheime und verwahrloste Exemplare selbstredend nicht enthalten.)
Die Vermenschlichung der Katzen wird deutlich an Werbung und Verpackung der Tierfutterindustrie. Oft steckt mehr Energie in der Hülle als im Inhalt, auch wird hier bald Futter mit medizinischen Zusatzfunktionen erscheinen. Taufen, Hochzeiten, Kremation und Seebestattung: alles für die Katz, was nicht ist, wird wohl noch werden.
Da sind die Singvögel natürlich nur kleine, selbst erarbeitete Süßigkeiten.
"So ist halt die Natur..." wird entschuldigend vom Sofakissen geseufzt.
Achja, die menschliche Natur.

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