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Samstag, 21. April 2012

Hohlwesen

Nicht wenige der oft ansehnlichen Backsteinhäuser wurden als Fachwerkhäuser errichtet und erst später mit rot prahlenden Fassaden ausgestattet.
Es gibt diese Verwandlung in allen Stadien zu sehen: Oft wurden die geschädigten Holzwände ersetzt durch das Ziegelmauerwerk (beginnend an der Wetterseite, wo es zuerst mulmte), manchmal kam die Hausbesatzung nicht die Runde herum und die Hofseite spielt noch in der Originalbesetzung oder aber das Fachwerk wurde hinter vorgezogenen Wänden versteckt und welkt dort noch immer. Der letztgenannte Fall ist natürlich der ungünstigste: die in der Wand verbliebenen Hölzer waren schon geschädigt, konnten dann nicht mehr an der Luft rücktrocknen und durch weiter eindringende Feuchte nur faulen. Nun gibt es immer ein Geflecht von Bedingungen und manches Holz wird leise wimmernd auch Jahrhunderte hinter Kalk und Ziegel durchgestanden haben; aber bei Verwendung von Zementmörtel war der Startblock für den Hausschwamm hergeschoben.
Doch auch bei den modernen, städtischer wirkenden Ziegelwänden gab es ungünstige Varianten wie das zweischalige Mauerwerk mit einer vielleicht 8 cm breiten Hohlschicht. Wenn die dort stehende Luft wirklich von der Außenwelt abgeschlossen bliebe, wäre der Dämmwert ganz annehmbar. Oft aber perforieren Risse und nachträgliche Durchdringungen das System, dazu kommen die massiv ausgeführten Ecken und die Kältebrücken durch die Ziegel, welche beide Schalen verbinden. Diese Konstruktion des 19. Jahrhunderts verbunden mit einer nur zeitweisen Nutzung ist nicht optimal: aber auch kaum zu verbessern. Die Versetzung der Hohlschicht mit rieselnden Dämmstoffen füllt nur gefühlt elegant die Lücke: mit neuen Problemen.

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