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Donnerstag, 22. Mai 2008

Gerüchte köcheln


Zu den Zeiten, als das Wünschen wirklich noch geholfen haben mag, war der Austausch im Sozialflechtwerk "Dorf" stark an die mündliche Rede gekoppelt. Sender und Empfänger hatten den gleichen Zeichenvorrat in der passenden mundartlichen Färbung parat und kein Ereignis, was nicht einer oralen Würdigung wert wäre. So entstand vielleicht das Bild der schwatzenden, rückschrittlichen Alten auf der Dorfstraße, die dem Fortschritt ständig nur im Wege standen. Welche geistige und körperliche Wohltat dieser Kontaktlaut in einer vertrauten Gemeinschaft war, werden Wissenschaftler durch viele Tierversuche vielleicht noch herausfinden und grafisch abbilden können: aber wir, die wir später leben dürfen, werden es nicht mehr erjagen.
Es ist uns ein fremdes Vergnügen geworden wie Schunkeln oder ein gemeinsames Gebet in diesen rückschrittlichen Gemeinschaften weit unten in der Türkei.
Dabei kennt nicht nur der soziologische Alumni, sondern auch jeder Kneipenwirt die berauschende Wirkung jener Ohrendroge, die in allen Völkern gleich wertvoll ist: Schadenfreude! Der Austausch über den Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Wollen und Können befeuert das vertraulich abgedimmte Kneipengespräch ebenso wie es alle Mitglieder in die Gruppe bindet und Risse in der Sozialplastik kittet. Jeder Satz ein Dienst an der Gemeinschaft, am Gefühl: Wir sind auch wer!
Falls das Absondern von schadenslustigen Wortgebilden wie Witzen, Gerüchten und dergleichen nur in einem separaten Raum ohne gleichzeitigen Drogenverzehr (Alkohol und Nikotin) bürokratisch arrangiert wird: na dann Prost!
Wer schlechten Nachrichten nach dem blossen Hörensagen keinen Glauben schenken wollte, konnte es an amtlicher Stelle nochmal nachlesen.
Heute haben wir das ganze Weltelend sekundengenau und feinkörnig gerastert auf isolierten Schirmen, es ist auch schön weit entfernt: aber geselliger? Nee, das ist es nicht geworden.

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